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Wenn du das Wort Tantra liest bringst du vielleicht direkt Sex damit in Verbindung. Doch die Lehre des Tantra ist so viel mehr. Wenn du sie in dein Leben integrierst, kann sie dir eine völlig neue Welt in Fülle und Bewusstsein offenbaren.

Tantra

Was ist Tantra?

Tantra ist ein nicht duales System. Im Tantra existieren keine Gegensätze („gut und böse“, „hell und dunkel“).  Alles IST einfach nur – gleichermaßen Teil der menschlichen Existenz. Tantra ist alltagstaugliche Spiritualität, eine lebensbejahende Philosophie, ohne Bewertungen und Vorurteile. Sie befreit uns von den Scheuklappen unserer Konditionierungen, vom „schwarz-weiß“ Denken unseres Geistes- hin zu „sowohl als auch“ ➟ ☯️
Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist, sondern wie wir sind. Ziel ist es immer mehr hinter den „Schleier“ zu blicken, die Filter, die uns die Sicht auf die Welt, wie sie wirklich ist trüben, immer mehr aufzulösen.

Tantra bedeutet wörtlich übersetzt Instrument zur Befreiung. Befreiung vom Leiden, von der Anhaftung an die Illusion, dass wir getrennt sind. Gott findest du in dir selbst und in allem, was du siehst. Schöpfer und Schöpfung sind Eins. Du bist nicht die Welle, du bist der komplette Ozean.

Viele spirituelle Lehren zielen darauf ab, dass man sich von seinem Körper befreit. Im Tantra wird unser menschlicher Körper als göttliches Instrument der Selbsterfahrung angesehen. Die Befreiung geschieht also mitten im Leben- im und durch den Körper. Viele von uns glauben Spiritualität nur auf dem Meditationskissen erfahren zu können. Doch gelebte Spiritualität kannst du beim Geschirrspülen und im Streit mit deinem Partner erfahren.

Eine meiner Yogalehererinnen sagte einmal: Die Sonne scheint auf eine Blume mit der selben Liebe wie auf einen Haufen Scheiße. Tantra nimmt alle Aspekte des Lebens ohne Bedingung an.

 

Wie integriere ich Tantra in mein Leben?

Unser Leben bzw. Alles ist immer bestimmt von Expansion (Licht) und Kontraktion (Dunkelheit). Werden und vergehen. Wir können nicht steuern, was im Außen passiert, doch wir haben die Wahl wie wir darauf reagieren. Erst unsere Bewertung macht etwas „gut“ oder „schlecht“. Nur wenn du die Dunkelheit erfahren hast, kannst du das Licht schätzen.

Lerne die Dunkelheit und den Schmerz zu umarmen.

Frage dich: Wo in deinem Leben hältst du zu sehr fest, gibst du dich dem Fluß nicht hin, sondern versuchst gegen den Strom zu schwimmen. Alles im Leben unterliegt einem ständigen Wandel: Tag und Nacht, Sommer und Winter. Übe dich in Hingabe und lasse dich tragen. Wir denken häufig, dass wir als kleines Individuum völlig auf uns alleine gestellt sind, doch wir sind Teil eines großen Ganzen und somit unterstützt!
Jedes Mal, wenn wir einer Situation gegenüber mit Anhaftung oder Ablehnung begegnen, die Energie nicht frei fließen lassen, bildet sich eine Ablagerung in unserem feinstofflichen Körper, was uns blockieren und schwächen kann. Zum Problem wird das besonders dann, wenn es unbewusst abläuft.

Wir werden so lange vom Unbewussten gesteuert wie es unbewusst ist und nennen das ganze dann Schicksal.“ Carl Jung

Wie im klassischen Yoga beschäftigt sich Tantra auch mit der Anhaftung an materielle und nicht-materielle Dinge. Womit identifizierst du dich? Was wäre, wenn man dir all das plötzlich wegnehmen würde? Wer wärst du?

 

Was bedeutet tantrisches Yoga?

Yoga war viele Jahrhunderte lang eine rein geistige Praxis. Dank der tantrischen Lehre wurde auch die physische Ebene mit einbezogen und neben Techniken wie Pranayama, Visualisierungen, Mudra, Mantra, Bandhas, das Chakrensystem, dienen Asanas des Hatha Yogas  zur Reinigung des feinstofflichen Körpers.
Shavasana, die Totenhaltung am Ende einer Yogastunde ist deswegen so wichtig, weil sich durch sie einerseits die Wirkung der Asanas entfalten kann und zum anderen können wir durch sie ein Stück weit „den Tod“ erfahren und somit wahrlich leben, da wir die Vergänglichkeit anerkennen.

Wenn du Yoga bisher als Sportart verstanden hast und dich rein auf den körperlichen Teil fokussiert hast, hat das nicht viel mit Yoga zu tun. Tantra im Yoga zu integrieren bedeutet eine viel subtilere Praxis. Es wird mit Energien gearbeitet, die mittels Atmung und Visualisierung in und um den Körper bewegt werden. Hauptziel dabei ist die Erweckung der Kundalini, die als zusammengerollte Schlange im Beckenbereich Sinnbild für unser schlafendes Potenzial steht. Im Rahmen meines Yoga Teacher Trainings durfte ich Praktiken erleben, die darauf abzielen und diese ungeheure Kraft fühlen, die durch das Bewegen dieser Energien entsteht.

Im Tantra Yoga ist der Fokus auf den Übergängen der Atmung ein zentraler Punkt. Wenn du Pranayama übst werde dir besonders dem Moment zwischen der Ein- und Ausatmung bewusst. Sie werden als heilige Momente der Stille gesehen, in der sich der weibliche (Shakti) und männliche (Shiva) Anteil in dir miteinander verbinden.

Der Anfang ist immer Bewusstsein, völlige Präsenz dem jetzigen Moment gegenüber. Bereits das bringt dich vom Kopf in deinen Körper. Durch tantrische Praktiken werden wir feinfühliger für Energie- die Energie in und um uns.

 

Mein Wissen um Tantra erfuhr ich größtenteils während meiner letzen Yogalehrer Ausbildung und in folgendem Buch (*Werbung):

P.S. Und obwohl in meinem Lieblingsbuch Gespräche mit Gott (*Werbung) das Wort Tantra nicht erwähnt wird, fand ich sehr oft Parallelen zu diesem „System“.

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